Ein Air India-Flug von Delhi nach Vancouver musste nach mehr als sieben Stunden in der Luft aufgrund eines schwerwiegenden Betriebsfehlers umkehren: Dem abgefertigten Flugzeug fehlte ausreichend Notsauerstoff für die Strecke. Der Vorfall verdeutlicht ein systemisches Problem im Flottenmanagement der Fluggesellschaft, insbesondere im Zusammenhang mit geleasten Flugzeugen, die während der Pandemie von Delta Air Lines erworben wurden.
Der Betriebsfehler: Kein regulatorischer Block, sondern ein Flottenproblem
Erste Berichte deuteten fälschlicherweise darauf hin, dass der Flug wegen kanadischer Regulierungsprobleme, die den Einsatz einer Boeing 777-200LR auf der Vancouver-Route verhinderten, eingestellt wurde. Das Kernproblem besteht jedoch nicht darin, dass der Flugzeugtyp aus Kanada verboten wird; Es geht um die spezifische Teilflotte von 777-200LRs, die Air India eingesetzt hat. Diese Flugzeuge wurden zuvor aus der Delta-Flotte ausgemustert und ohne wesentliche Sicherheitsverbesserungen an Air India zurückgeleast.
Insbesondere betreibt Air India Strecken, die über hochgelegenes Gelände führen, darunter den Himalaya und das Hindukusch-Gebirge. Auf diesen Flügen ist für den Notfall Sauerstoff gesetzlich vorgeschrieben, und die älteren, von Delta geleasten Flugzeuge verfügen über eine deutlich reduzierte Sauerstoffversorgung – im Notfall reicht sie nur für etwa 12 Minuten. Abstiegsprofile über unwegsames Gelände können mehr Zeit in Anspruch nehmen und möglicherweise ein Risiko für Passagiere darstellen.
Das Flottendetail: Ex-Delta-Flugzeuge ohne Upgrades
Zwischen 2007 und 2010 erwarb Air India acht Boeing 777-200LR-Flugzeuge. Fünf wurden später im Jahr 2014 an Etihad verkauft und fünf weitere wurden nach der Pandemie von Delta geleast. Das Hauptproblem besteht darin, dass diese ehemaligen Delta-Flugzeuge nicht mit dem erweiterten Sauerstoffkapazitätsstandard für die alte Flotte von Air India aufgerüstet wurden. Das an diesem Vorfall beteiligte Flugzeug mit der Registrierung VT-AEI (ehemals N708DN) ist eines dieser geleasten Flugzeuge.
Weitere betroffene Flugzeuge sind:
- VT-AEE (ex N704DK)
- VT-AEF (ex N702DN)
- VT-AEG (ex N706DN)
- VT-AEH (ex N707DN)
Aufsichtsbehörden und Vorwarnungen
Indiens Generaldirektion für Zivilluftfahrt verhängte im Januar 2024 eine Geldstrafe gegen Air India für den Betrieb dieser geleasten 777 auf geländekritischen Strecken ohne die notwendigen Notfall-Sauerstoffvorkehrungen. Ein ehemaliger Delta-Jet wurde zuvor umgeleitet, um den Hindukusch zu meiden, nachdem ein Pilot das Problem erkannt hatte. Der Vorfall verdeutlicht, dass Sicherheitslücken in der geleasten Flotte nicht ordnungsgemäß beurteilt und behoben wurden.
Das Kernproblem besteht nicht darin, dass Air India keine 777-200LRs nach Kanada schicken darf; Es geht um die spezifische Unterflotte von Flugzeugen, denen wesentliche Sicherheitsmerkmale fehlen.
Dieser Vorfall verdeutlicht die Risiken, die mit der schnellen Integration geleaster Flugzeuge ohne gründliche Sicherheitsprüfungen verbunden sind. Es zeigt auch, wie wichtig ein konsequentes Flottenmanagement und die Einhaltung gesetzlicher Standards sind, insbesondere auf Langstreckenstrecken in anspruchsvollem Gelände.

























