Die Flugbegleiter von United Airlines stehen nach fünfeinhalb Jahren ohne Gehaltserhöhung kurz vor einem neuen Vertrag, doch der Deal könnte mit erheblichen Kosten verbunden sein: dem Verzicht auf eine wichtige Arbeitsplatzschutzklausel. Die Fluggesellschaft drängt auf einen Vertrag, der ihr die vollständige Übernahme einer Regionalfluggesellschaft ermöglicht, was möglicherweise die Kontrolle der Gewerkschaft darüber, wo und wie ihre Mitglieder arbeiten, untergräbt.
Die Einsätze: Höhere Bezahlung vs. Eigentumsgrenzen
Seit Jahren wehren sich die Flugbegleiter von United dagegen, dass die Fluggesellschaft zu hundertprozentigen regionalen Fluggesellschaften expandiert, deren Personal außerhalb der aktuellen Gewerkschaftsvereinbarung liegt. Jetzt bietet die Fluggesellschaft im Gegenzug für die Aufhebung dieser Beschränkungen beispiellose Gehaltserhöhungen an – darunter „Sitzvergütung“ für die am Flughafen verbrachte Zeit und verbesserte Zwischenlandungsbedingungen. Dies bedeutet, dass United eine separate regionale Fluggesellschaft mit eigenen, möglicherweise günstigeren Flugbegleitern erwerben oder gründen könnte.
Der Kern des Konflikts liegt in der Frage des „Umfangs“, der gewerkschaftlichen Bezeichnung für die Einschränkung der Eigentumsstrukturen von Fluggesellschaften. Der Luftfahrtanalyst JonNYC weist darauf hin, dass die Flugbegleiter in diesem Punkt möglicherweise zu einem Zugeständnis bereit sein könnten, was zuvor als undenkbar galt. Der aktuelle Vertrag verbietet United ausdrücklich die Durchführung kommerzieller Flüge mit einer von ihr kontrollierten Fluggesellschaft, es sei denn, das Personal besteht aus gewerkschaftlich organisierten Flugbegleitern.
Warum das wichtig ist: Eine Verschiebung in der Machtdynamik der Branche
Das Überraschende daran ist, dass der Flugbegleitervertrag und nicht der Pilotenvertrag die größte Hürde für United darstellt, eine regionale Fluggesellschaft zu besitzen. Pilotenverträge enthalten bereits Beschränkungen hinsichtlich der Flottengröße und Streckenbeschränkungen für regionale Einsätze, doch die Flugbegleitervereinbarung stellte ein absolutes Hindernis dar.
Die Beseitigung dieser Hürde würde es United ermöglichen, eine hundertprozentige regionale Fluggesellschaft mit separatem Personal zu betreiben, was Kosten senken und das regionale Netzwerk erweitern könnte. Allerdings ist die Fluggesellschaft bereits über Minderheitsbeteiligungen stark in regionale Partner wie Republic und CommuteAir investiert; dieser Deal würde weitergehen.
Der Pilotvertrag als Backup-Limit
Sollten die Beschränkungen für Flugbegleiter aufgehoben werden, würde der Pilotenvertrag zum Haupthindernis für die regionale Expansion von United werden. Der Pilotenvertrag begrenzt bereits die Anzahl kleinerer Flugzeuge (76 Sitze oder weniger), die United Express betreiben kann.
Die Fluggesellschaft weist weitere Schlupflöcher auf, etwa die Übernahme von Pendlerfluggesellschaften (Part 135-Betrieb), bei denen sie noch mit der Gewerkschaft verhandeln muss, oder die Übernahme von Minderheitsbeteiligungen an regionalen Fluggesellschaften. Die vollständige Eigentümerschaft erfordert jedoch die Umgehung des aktuellen Flugbegleitervertrags.
Ein pragmatischer Schachzug?
Einige argumentieren, dass Flugbegleiter diesen Kompromiss akzeptieren sollten und sich dabei an dem Branchenstandard orientieren, bei dem Piloten die stärkere Verhandlungsposition haben. Wenn die Piloten mit Eigentumsbeschränkungen einverstanden sind, stellt dies nur ein geringes Risiko für das Kabinenpersonal dar.
Wie viel Sitzvergütung und verbesserte Bedingungen ist United am Ende bereit, anzubieten, um sich die gewünschte Eigentumsfreiheit zu sichern? Die Verhandlungen sind für beide Seiten ein strategisches Wagnis mit dem Potenzial, die regionale Airline-Strategie von United neu zu gestalten.
Dieser Deal würde einen Präzedenzfall schaffen und möglicherweise die gewerkschaftliche Kontrolle über die Eigentumsstrukturen der Fluggesellschaften schwächen. Es wirft die Frage auf, ob höhere Löhne es wert sind, auf langfristige Arbeitsplatzsicherheit und Einfluss zu verzichten.
